Rede unserer Co-Fraktionsvorsitzenden Dr. Sabrina Engelmann zum Grundsatzbeschluss „Städtebauliches Entwicklungskonzept für unternehmensunabhängige Rechenzentren“

Fraktionsvorsitzende Dr. Sabrina Engelmann
Fraktionsvorsitzende Dr. Sabrina Engelmann

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Kolleg:innen,

je nach Quelle gibt es unterschiedliche Schätzungen dazu, wie viele Rechenzentren es weltweit gibt. Manche Quellen kommen auf über 8.000 Rechenzentren weltweit, andere auf über 10.000. Diese verbrauchten letztes Jahr insgesamt rund 7,4 Gigawatt Strom, was ein Anstieg um 55 Prozent gegenüber 2022 bedeutet. Eines ist damit klar: Die Anzahl der Rechenzentren wächst derzeit immer weiter. Hessen – und hier insbesondere das Rhein-Main Gebiet mit dem Internetknotenpunkt DE-CIX – ist Standort von 50% aller Groß-Rechenzentren in Deutschland und die am schnellsten wachsende Rechenzentrumsregion in Europa. Und Offenbach liegt mittendrin.

Doch dieses große Wachstum darf nicht unkontrolliert geschehen. Für uns Grüne ist es wichtig, dass nicht nur einige wenige von Rechenzentren und deren Gewinnen profitieren. Die Kosten und Nutzen, die durch Rechenzentren entstehen, müssen gerecht verteilt werden. Die Allgemeinheit oder die Kommunen dürfen mit daraus entstehenden Umwelt- und Klimabelastungen nicht alleine gelassen werden.

Das ist aber nur möglich, wenn wir als Kommune auch beeinflussen, wo ein neues Rechenzentrum überhaupt gebaut werden kann. Denn die Standorte von Rechenzentren müssen wohlüberlegt und gut abgestimmt sein. Nur dann ist es möglich Rechenzentren stadtverträglich in die jeweiligen Gebiete zu integrieren sowie nachhaltig zu planen und zu betreiben. So kann etwa die Abwärme, die bei der Kühlung der Server entsteht, nur da wirklich sinnvoll genutzt werden, wo ein Anschluss an ein Wärmenetz möglich ist. Das vorliegende städtebauliche Entwicklungskonzept stellt also eine Grundlage dar, um die Ansiedlung von Rechenzentren räumlich zu steuern und mögliche (energetische) Synergien durch den Bau von Rechenzentren zu nutzen.

Die Kriterien, die innerhalb des Konzepts angelegt wurden, sind nachvollziehbar und notwendig: So wurde unter anderem die städtebauliche Situation in verschiedenen in Frage kommenden Gebieten untersucht, genauso der zu erwartende Flächenbedarf, die Strom- und Glasfaserinfrastruktur sowie – und das ist uns Grünen besonders wichtig – die energetische Nachhaltigkeit, insbesondere durch die Nutzung der Abwärme in bestehenden Wärmenetzen.

Als zumindest bedingt geeignet haben sich dabei drei Gebiete herausgestellt: das Gewerbegebiet Daimlerstraße, der EVO-Campus und das Gewerbegebiet am Ring. Neun andere Gebiete wurden als ungeeignet identifiziert, so dass hier eine Ansiedlung von Rechenzentren ausgeschlossen werden soll.

Das vorliegende Konzept erlaubt es der Stadt, bei der Ansiedlung neuer Rechenzentren entsprechend konzeptionell-strategisch und bedacht vorzugehen, um die stadtplanerisch sinnvolle Integration von Rechenzentren voranzutreiben.

Das städtebauliche Entwicklungskonzept ist damit das Pendant zum Umwelt- und Klimaschutzkatalog, der gerade entwickelt wird und in dem festgehalten ist, welche umwelttechnischen Bedingungen Rechenzentren in Offenbach erfüllen müssen. Beide zusammen sorgen dafür, dass wir als Stadt, die Verantwortung, die wir haben, ernst nehmen und gut abwägen können: Einerseits die Bedeutung, die Rechenzentren als digitale Infrastruktur unserer modernen Gesellschaft haben. Andererseits deren klimatechnisch und stadtplanerisch relevanten Auswirkungen auf ihre Umgebung.

Aus diesen Gründen werden wir dem vorliegenden Antrag zustimmen.

Vielen Dank!

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