Rede unserer Stadtverordneten Dr. Sabrina Engelmann zum KOA-Ergänzungsantrag Verbindungsstraße B448

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem Innovationscampus macht Offenbach einen wichtigen Schritt in die Zukunft. Das Areal wird gerade zu einem zukunftsweisenden Gewerbestandort entwickelt. Mit Samson und BioSpring haben sich bereits zwei Weltmarkführer und innovative Technologie-Unternehmen Teile des Areals gesichert, die auch das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen.

Daher liegt es nahe, bei der verkehrlichen Anbindung des Innovationscampus auch möglichst zukunftsgewandt und innovativ vorzugehen. In den Zeiten der Bekämpfung des Klimawandels und der sich vollziehenden Energiewende sollte die folgende Forderung nicht kontrovers oder überraschend sein: Güterverkehr sollte auf der Schiene ablaufen statt auf der Straße.

Dafür gibt es einige gute Gründe: 92% der Verkehrsleistung im Güterverkehr läuft elektrisch ab – bei Nutzung Erneuerbarer Energien also ohne klimaschädliche Emissionen. Güterbahnen fahren zudem deutlich effizienter als LKW, da der Rollwiderstand deutlich geringer ist. Außerdem kann eine einzige Güterbahn bis zu 52 LKW ersetzen, die sonst auf der Autobahn oder eben auch in den Städten unterwegs wären. Schließlich ist das Risiko eines Unfalls statistisch bis zu 42-mal geringer bei einer Güterbahn verglichen mit einem LKW.

So weit ist die Sache klar: Güterverkehr auf der Schiene ist eine gute Sache.

Aber aktuell wird in Deutschland nur 19% des anfallenden Güterverkehrs über die Schiene abgewickelt. Dies hat vielfältige Gründe:

  • etwa das veraltete Kupplungssystem (das bis heute händisch! funktioniert),
  • oder etwa, dass so lange an der Infrastruktur gespart wurde, dass an diversen Stellen die Überholgleise fehlen, die einen reibungslosen Ablauf ermöglichen würden.

Es ist also kein Wunder, dass trotz der zahlreichen Vorteile des Schienengüterverkehrs dieser im Moment noch nicht sein volles Potenzial entfalten kann.

Doch was jetzt noch nicht gut läuft, kann sich schon in den nächsten Jahren verbessern. Ich setze da durchaus einige Hoffnung in unsere neue Bundesregierung. Laut Koalitionsvertrag ist geplant, den Masterplan Schienenverkehr weiterzuentwickeln und zügiger umsetzen sowie den Schienengüterverkehr schon in den nächsten 8 Jahren auf 25 Prozent zu erhöhen.

Daher sollten wir bei der Planung der Verbindungsstraße zur B 448 auf jeden Fall die Option eines zukünftigen Schienenanschlusses für den Innovationscampus offenhalten. Das bedeutet, dass Flächen für einen möglichen Anschluss an die nahegelegenen Bahnanlagen nicht überbaut werden sollten.

Ein Paradigmenwechsel im Güterverkehr hin zum Schienenverkehr liegt womöglich gar nicht so weit in der Ferne. Vielleicht kommt er ja schon bevor für die Verbindungsstraße Baurecht geschaffen und die Finanzierung dieses großen Vorhabens gesichert wurde.

Ebenso ist uns Grünen wichtig, dass es – wie geplant – einen straßenbegleitenden Radweg geben soll, der nicht quer durch den Wald führt, sondern breit und sicher ausgebaut ist und so nicht nur bei Helligkeit und/oder im Sommer gut genutzt werden kann. Er darf nicht durch die Sicherung eines Gleisanschlusses für den Innovationscampus verdrängt werden. Daher ist für uns von Bedeutung, dass der Fahrradweg von der Laska-Brücke zum Neubaugebiet und der Schule über eine alternative Route – nicht über die aktuell noch vorhandenen Schienen – am Quartier 4.0 vorbei und zum Mainradweg geführt werden soll.

Schon jetzt ist klar: für den Innovationscampus wird nicht nur der motorisierte Verkehr von Bedeutung sein, daher sollten wir auch jetzt schon andere Verkehrsarten berücksichtigen und einplanen. Dafür sorgt unser Ergänzungsantrag, darum bitte ich Sie alle ihm zuzustimmen.

Vielen Dank!

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