Hitzevorsorge in Offenbach

Sonja Schneider

Rede von Sonja Schneider in der Stadtverordnetenversammlung

Wir stehen in Offenbach vor einer Herausforderung, die uns alle angeht: Die Hitze nimmt zu, und unsere Innenstadt ist besonders betroffen. Offenbach zählt zu den sehr stark hitzegeplagten Städten in Deutschland. Das ist keine abstrakte Statistik, das sind real spürbare Belastungen für Kinder, ältere Menschen, Menschen mit gesundheitlichen Risiken und für alle, die hier leben und arbeiten. Wir müssen jetzt handeln — praktisch, schnell und sichtbar.

Deshalb bitte ich Sie, dem vorliegenden Antrag zuzustimmen und den Magistrat zu beauftragen, niedrigschwellige, öffentlich zugängliche Abkühlungsangebote für die Offenbacher Innenstadt umzusetzen. Konkret geht es um Maßnahmen wie mobile Wassernebeltore, temporäre Verschattung und begrünte Kühlmodule mit Wasserspeicher und Sitzgelegenheit. Diese Elemente lassen sich flexibel aufstellen, sie brauchen vergleichsweise wenig Fläche, verbessern das Mikroklima und erhöhen die Aufenthaltsqualität in unseren Stadtbereichen deutlich. Es ist somit ein Zusatzangebot zu den Kühlen Orten als innenliegende Räume.

Es müssen geeignete Standorte für solche Abkühlungsangebote identifiziert werden. Wir brauchen deshalb ein durchdachtes Konzept, das dort eingreift, wo die Überhitzung am stärksten ist und wo Menschen besonders auf Abkühlung angewiesen sind: Die Fußgängerzone, Plätze mit hoher Verweildauer, Schulwege, Haltestellen des ÖPNVs. Dort, wo Schatten und Verdunstungskühlung am meisten helfen, müssen die Maßnahmen sichtbar und zuverlässig sein.

Gestern gab es zu diesem Thema eine Veranstaltung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, die ich als Fachplanerin besuchte. Fachreferent*innen berichteten von erfolgreichen Praxisbeispielen. Nicht nur in Singapur, sondern auch Beispiele aus Wien und Konstanz wurden eindrücklich beschrieben. Vor dem DAM konnten wir direkt die Wirkungsweise einer Nebelanlage testen, die in Konstanz zum Einsatz kommt. Die Kollegin aus der Konstanzer Verwaltung erzählte mit sehr viel Leidenschaft von ihren Projekten, die von der Bevölkerung sehr dankbar genutzt werden.  

Wichtig ist es aber auch private Eigentümer stärker zu aktivieren, damit mehr private Flächen zur Hitzereduktion beitragen. Entsiegelung, Begrünung von Vorgärten oder Hinterhöfen oder die Vermeidung weiterer Versiegelungen auf privaten Grundstücken sind ebenso Teil der Lösung wie Maßnahmen im öffentlichen Raum. Nur wenn öffentliche und private Maßnahmen zusammenspielen, erreichen wir echte Wirkung in der ganzen Stadt. Deshalb soll geprüft werden, wie Eigentümer motiviert und unterstützt werden können, zusätzliche Entsiegelungs- und Begrünungsmaßnahmen umzusetzen. Und vor allem, wie neue Versiegelung von Vorgärten verhindert werden kann. Manche Kommunen setzten hierfür eine Vorgartensatzung ein. Eine andere Möglichkeit ist die Einhaltung von Versiegelungsgraden aus den  Bebauungsplänen zu überprüfen.  

Ein weiterer Baustein ist die Kommunikation: Die Karte der hitzeentlastenden Orte bietet erstmals Orientierung — wir müssen diese Orte bekannter machen. Der Magistrat soll deshalb eine Kampagne zur Bekanntmachung dieser Orte gemäß Hitzeaktionsplan initiieren. Je besser die Menschen wissen, wo sie kurzfristig Abkühlung finden, desto schneller schützen wir Gesundheit und Wohlbefinden.

Bereits 2021 wurde geprüft, wie mobile Nebeltore und temporäre Verschattung funktionieren könnten. Eine Pilotanlage wurde damals empfohlen, blieb bisher aber aus. Heute stehen uns zusätzlich Erkenntnisse aus anderen Städten zur Verfügung — diese Erfahrungen sollten wir nutzen.

Im USV Ausschuss vergangene Woche wurde uns vom Baudezernenten Andreas Bruszynski eröffnet, dass die Stadtverwaltung jetzt ernsthaft an der Planung solcher Nebelduschen sei. Und ich traf auf der gestrigen Veranstaltung Mitarbeiter der Offenbacher Verwaltung, die mir von einem abgegebenen Förderantrag zum Thema erzählten: Wunderbar! Ein Punkt mehr, warum auch die regierenden Fraktionen problemlos diesem Antrag zustimmen können.

In unterschiedlichen Regierungskonstellationen haben wir Grünen zusammen mit SPD und CDU, aber auch mit allen anderen demokratischen Parteien, schon einiges an Klimavorsorgemaßnahmen in Offenbach beschließen und umsetzten können. Doch man darf nicht dabei stehen bleiben. Wir müssen die Maßnahmen zur Klimaanpassung bündeln und intensivieren: Das ist der Zweck dieses Antrages.

Die regierende Koalition hat ebenfalls einen Antrag eingebracht, der den Fokus auf hitzefeste öffentliche Gebäude legt. Das ist gut so, denn der Kampf gegen die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels ist eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit. Der SPD-CDU Antrag ist deswegen eine gute Ergänzung zu unserem Antrag, weshalb wir ihn unterstützen werden.

In diesem Sinne appelliere ich auch an Sie und alle Stadtverordnete: Stimmen Sie diesem Antrag zu. Geben wir dem Magistrat den Auftrag, die geeigneten Orte zu identifizieren, private Eigentümer einzubinden, geeignete Prüfungen vorzunehmen und eine Kampagne zur Bekanntmachung der Abkühlungsorte zu starten. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Offenbach lebenswerter wird — auch an heißen Tagen.

Unsere Stadt hat das Potenzial, Vorbild zu sein: pragmatisch, solidarisch und wirkungsvoll — zum Schutz unserer Gesundheit, zum Schutz unserer Lebensqualität und zum Nutzen aller, die in Offenbach leben und arbeiten.

Ich danke Ihnen.

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