Kommunale Wärmeplanung für Offenbach

Foto Dr. Sabrina Engelmann

Rede von Dr. Sabrina Engelmann in der Stadtverordnetenversammlung*

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleg*innen,

wir beschließen heute einen Wärmeplan, der nicht nur eine gesetzliche Vorgabe erfüllt, sondern eine essenzielle Grundlage für die nächsten zwanzig Jahre legt. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich die Arbeit des Umweltamts und unserer Bürgermeisterin würdigen. Die Erstellung eines solchen Plans ist komplex und datenintensiv, und Offenbach liefert fristgerecht.

Der Wärmeplan ist ein sehr wichtiger Schritt. Aber er ist kein Endpunkt. Er ist der Beginn eines langen, anspruchsvollen aber unumgänglichen Transformationsprozesses, den wir als Stadt und als Stadtverordnete konstruktiv begleiten müssen.

Der Wärmeplan ist ein Planungsinstrument, kein Versprechen. Er ist die notwendige Grundlage für das Gelingen der Wärmewende in Offenbach: Also dem bundesweiten Ausstieg aus der fossilen Wärmeerzeugung bis 2045, die das klimaschädliche CO2 erzeugt – jenes CO2, das auch zu dieser Hitzeperiode beiträgt, unter der wir alle hier aktuell stöhnen.

Der Wärmeplan zeigt Wege auf, aber keine Garantien. Viele Annahmen sind ambitioniert, und das ist richtig so. Aber wir müssen sie in den kommenden Jahren auch Realität werden lassen. Das wird nicht von selbst geschehen.

Es ist wichtig, dass wir die Erwartungen realistisch halten: Ein Wärmeplan schafft Orientierung, aber er ersetzt keine Investitionen, keine Fördermittel und keine politischen Entscheidungen, die in den nächsten Jahren getroffen werden müssen.

Lassen Sie mich auf einige Punkte eingehen, die wir als gemeinsame Aufgaben verstehen sollten.

Erstens: Die Potenziale. Die Potenzialanalyse zeigt beeindruckende Zahlen – für Abwärme, für Wärmepumpen, für Effizienzsteigerungen. Gleichzeitig wissen wir: Viele dieser Potenziale sind theoretisch. Wir müssen jetzt prüfen, was davon wirklich gehoben werden kann, welche Flächen verfügbar sind, welche Investitionen notwendig werden und welche Partner wir dafür brauchen.

Zweitens: Die Fernwärme. Die Fernwärme bleibt das Rückgrat unserer Wärmeversorgung. Der frühe Ausbau seit dem Ende der 1960er Jahre, sowie die kompakte Stadtstruktur sorgen dafür, dass jetzt schon über 40 % des hiesigen Wärmevolumens damit sichergestellt wird. Das ist ein sehr guter Wert. Dieser Ausbau wird in den kommenden Jahren noch weiter intensiviert. Gleichzeitig zeigt der Wärmeplan klar, dass es auch dabei Herausforderungen gibt.

Ein großer Teil der Fernwärme kommt aus der Abfallverbrennung. Die EVO plant technische Verbesserungen und Effizienzsteigerung, das haben wir hier klar mitgetragen. Die Zusammensetzung des Abfalls können wir jedoch kaum beeinflussen – und sie bestimmt, wie hoch der fossile Anteil bleibt. Für diesen fossilen Anteil fallen künftig CO₂ Kosten an, die die Fernwärme verteuern und die wir kommunal nicht steuern können.

Auch die Abwärme aus Rechenzentren bietet großes Potenzial, ist aber nicht automatisch nutzbar. Für ihre Einbindung braucht es gesicherte Flächen, rechtliche Vereinbarungen und ausreichende Stromanschlüsse. Der vorliegende Wärmeplan macht deutlich, dass die vorhandenen Potenziale nicht automatisch realisierbar sind. Dafür muss gesorgt werden.

Drittens: Der soziale Aspekt – die Kosten. Die Wärmewende wird nur gelingen, wenn sie sozial verträglich bleibt. Dazu gehört Transparenz über Preisentwicklungen. Und es gehört dazu, frühzeitig darüber zu sprechen, wie wir Haushalte unterstützen, die nicht investieren können.

Viertens: Die Umsetzung. Der Wärmeplan zeigt nicht nur, wohin wir wollen, sondern auch, was wir tun müssen. Wir müssen den Wärmebedarf senken – durch Sanierung, Effizienz und gute Beratung. Wir müssen prüfen, wo Nahwärme sinnvoll ist und welche Alternativen es für Prozesswärme gibt. Wir müssen Photovoltaik und Stromnetze ausbauen, weil Wärmepumpen und Elektromobilität den Strombedarf erhöhen werden. Und wir müssen dabei immer die sozialen Auswirkungen der Wärmewende im Blick behalten, damit die Transformation für alle tragbar bleibt.

Dabei müssen wir auch über unsere eigenen städtischen Ressourcen sprechen. Wir reden hier über eine der größten Transformationsaufgaben der nächsten Jahrzehnte – als Kommune können wir sie nicht allein finanzieren. Die 150.000 Euro, die wir jährlich für die Umsetzung der Wärmeplanung bereitstellen, sind ein wichtiger und guter Anfang. Sie ermöglichen uns, zu planen, zu beraten und zu koordinieren. Die großen Investitionen müssen Bund und Land fördern, die EVO umsetzen und auch die Eigentümer tragen. Genau so ist das Wärmeplanungsgesetz angelegt.

Der Wärmeplan ist ein wichtiger und richtiger Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität. Er gibt uns Klarheit über die aktuelle Situation und über die möglichen Pfade. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Wir werden die weiteren Schritte konstruktiv begleiten – kritisch, aber immer mit dem Ziel, die Wärmewende in Offenbach erfolgreich zu machen.

Denn wir schulden den Menschen in dieser Stadt eine Wärmeversorgung, die klimafreundlich, verlässlich und bezahlbar ist.

Vielen Dank.

*aufgrund der hohen Temperaturen wurde diese Rede nicht gehalten.

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