Rede Nata Kabir in der Stadtverordnetenversammlung*
Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleginnen und Kollegen,
es gibt einen Bereich beim Thema Kinderbetreuung, da läuft es in Offenbach richtig gut – und ich muss sagen, dass ich auch überrascht war, als davon im Jugendhilfeausschuss berichtet wurde. Das ist die Versorgung der Unter-3-jährigen mit Betreuungsplätzen. Dank des massiven Kitaplatzausbaus in den letzten Jahren durch Sabine Groß. Aber: Jede Medaille hat eine Kehrseite. die Tagespflege ist eine Säule im Kinderbetreuungssystem unserer Stadt, die manchmal übersehen wird. In Zeiten, in denen die Stadt nur relativ wenige Kindertagesstätten hatte, wurde das System der Tagesmütter unter der ehemaligen Bürgermeisterin Birgit Simon hochgefahren. Denn das geht natürlich deutlich schneller, als eine Krabbelgruppe zu bauen, ausgebildetes Personal zu finden und so weiter. Tagesmütter sind mit ihren kleineren Betreuungssettings und oft auch mit zeitlich etwas flexibleren Angeboten eine Alternative zur Krabbelstube. Allerdings hat sich in der Zwischenzeit das System in der Zwischenzeit verändert. Heute – und verbunden mit viel Arbeit, die von der ehemaligen Bürgermeisterin Birgit Simon bis zur jetzt auch ehemaligen Bürgermeisterin Sabine Groß reicht – haben wir zum Glück ein ausgebautes Netz an Krabbelstuben, aktuell gibt es sogar mehr Plätze als Nachfrage, sodass sogar geplante Krabbelgruppen zu Kindergartenplätzen umgewandelt werden. Eltern können zwischen Krabbelgruppe und Tagespflege wählen. Das spürt auch die Tagespflege, denn immer mehr bekommen nicht mehr alle Plätze belegt und das hat natürlich Folgen für die selbstständig arbeitenden Tagesmütter.
Die heute zu beschließende Satzung Kindertagespflege hat im Jugendhilfeausschuss eine Runde gedreht. Die Tagespflegekräfte waren mit der ersten Fassung nicht einverstanden und – nach meinem Eindruck – sahen sich vor allem vorab nicht ausreichend einbezogen. Das wurde nachgeholt und auch künftig wird es einen engeren, regelmäßigen Austausch geben, das halte ich auch für sehr wichtig. Nun liegt uns eine Satzung vor, mit der die Tagesmütter zwar nicht überglücklich sind, sie konnten ihr aber zustimmen. Denn es gibt Verbesserungen bei den Sachkosten, eine Pauschale für Vor- und Nachbereitung, verschiedene Vereinfachungen, Fortbildungstage und mehr Fortbildungszuschuss. Es war Sabine Groß ein wichtiges Anliegen, dass wir die erzielten Verbesserungen für die Tagesmütter rechtzeitig zum 1.7 beschließen, um ihre derzeit teils prekäre Situation zu verbessern. Ein Punkt, den ich besonders wichtig finde, ist, dass die Satzung künftig deutlich regelmäßiger angepasst werden soll und aus meiner Perspektive muss dann auch mindestens die Inflation regelmäßig ausgeglichen werden.
Ein Grundproblem der Tagespflege ist mit der neuen Satzung allerdings noch nicht gelöst: Neben mehr Geld, wäre ihnen eine Vertretungsregelung wichtig. Das Problem dabei ist: Eine solche Regelung ist aufwändig und damit teuer.
Nun ist die Tatsache, dass weniger Tagespflegeplätze belegt werden, für die selbstständigen Tagesmütter ein Problem. Darin liegen aber auch Chancen. Denn wenn durch nicht belegte Plätze Geld in der Tagespflege übrigbleibt, dann ist das die Gelegenheit, um qualitative Verbesserungen durch Vertretungsregelungen, aber auch durch die bessere Bezahlung bei besserer Qualifikation hinzukriegen – und das sogar ohne mehr Geld im Haushalt einstellen zu müssen.
Ich habe den Koalitionsvertrag und auch die Wahlprogramme der KOA zu diesem Thema aufmerksam gelesen und bin zuversichtlich, dass die Tagespflege auf uns alle hier zählen kann. Aber falls nicht bieten wir den Service an, Euch daran gerne zu erinnern.
Die heutige Fassung ist ein guter erster Schritt, wir stimmen ihr daher gerne zu.
*Hitzebedingt wurde die Rede nicht gehalten