Rede unseres grünen Stadtverordnente Jochen Teichmann in der Stadtverordnetenversammlung am 24.09.2026
Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
als ich als junger Erwachsener als Rettungssanitäter gearbeitet habe, habe ich gelernt, was es bedeutet, in einer Notfallsituation Verantwortung zu übernehmen. Ich weiß, wie wichtig jede Sekunde ist, wenn ein Mensch einen plötzlichen Herzkreislaufstillstand erleidet. In solchen Momenten zählt nicht nur die professionelle Hilfe, die unterwegs ist, sondern auch die Zeit, die bis zu ihrem Eintreffen vergeht. Innerhalb der ersten fünf Minuten sterben bereits unwiederbringlich Gehirnzellen ab. Und genau hier liegt die große Chance, die wir heute nutzen können.
Der vorliegende Antrag zielt darauf ab, ein geregeltes First-Responder-System in Offenbach einzuführen – ein System, das bereits im Landkreis Offenbach erfolgreich funktioniert. Die Idee ist so einfach wie genial: Dienstfreie Einsatzkräfte aus Feuerwehr und Rettungsdienst, aber auch medizinische Fachangestellte, Pfleger:innen oder Ärzt:innen werden app-basiert alarmiert, wenn in ihrer Nähe ein Notfall eintritt. Die ersten drei, die sich melden, werden dem Einsatzort zugewiesen und können sofort mit der lebensrettenden Erstversorgung beginnen. Das überbrückt die kritische Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und erhöht die Überlebenschancen der Betroffenen deutlich.
Ein solches System ist für Offenbach nicht nur machbar, sondern auch kostengünstig. Die Einführung der Software kostet ca. 12.000 Euro, mit jährlichen Folgekosten für die Nutzung der Software bei etwa 400 bis 500 Euro; hinzu kommen einmalige Anschaffungskosten von ca. 270 Euro pro Einsatzrucksack. Da der Kreis Offenbach das System bereits durch Spenden finanziert, könnten wir uns diesem Modell anschließen und ebenfalls auf private Unterstützung aus Industrie und Gesellschaft setzen. Die Stadt Offenbach hätte damit kaum eigene Kosten zu tragen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der interkommunalen Zusammenarbeit. Durch eine gemeinsame Datenbank mit dem Landkreis können Ersthelfer:innen aus angrenzenden Gemeinden alarmiert werden, wenn sie sich gerade in Offenbach aufhalten oder näher am Einsatzort sind als die eigenen Kräfte. Das schafft Synergien und maximiert die Effizienz des Systems.
Zudem ist die Einführung eines First-Responder-Systems nicht nur eine Frage der Fürsorge, sondern auch der Zukunftssicherung. Die kommende Notfallreform wird voraussichtlich die Pflicht zur Einführung solcher Systeme vorgeben. Durch eine frühzeitige Umsetzung in Zusammenarbeit mit dem Kreis Offenbach können wir nicht nur Leben retten, sondern auch einen Schritt voraus sein und uns auf die neuen Anforderungen vorbereiten.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Schnellere Hilfe in kritischen Notfällen
- Geringe Kosten durch Spendenfinanzierung und Synergien mit dem Landkreis
- Bessere Nutzung bestehender Ressourcen durch interkommunale Zusammenarbeit
- Vorbereitung auf zukünftige gesetzliche Vorgaben
Ich bin überzeugt: Mit diesem System können wir die Rettungskette in Offenbach entscheidend stärken. Es geht nicht um zusätzliche Belastungen für die Stadt, sondern um eine kluge Investition in die Sicherheit unserer Bürger:innen. Ich bitte Sie daher, diesen Antrag zu unterstützen und damit ein Zeichen für mehr Lebensqualität und Sicherheit in unserer Stadt zu setzen.
Vielen Dank.
Hier die dazugehörige Pressemitteilung: Wenn jede Minute zählt – First Responder für Offenbach – Bündnis 90/ Die Grünen