Die Rede unserer grünen Co-Fraktionsvorsitzenden Dr. Sabrina Engelmann in der Stadtverordnetenversammlung am 24.09.2026
Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleg*innen,
ich freue mich ehrlich, dass wir heute über eine Vorlage zum Hauptbahnhof sprechen.
Der Offenbacher Hauptbahnhof ist eines der wichtigsten Eingangstore unserer Stadt. Gleichzeitig ist das Empfangsgebäude seit vielen Jahren ein Sinnbild dafür, wie viel Potenzial an diesem Ort bislang leider ungenutzt geblieben ist.
Seit dem Auszug des letzten Geschäfts im Jahr 2014 – das ist jetzt ganze 12 Jahre her! – erleben wir dort einen stetigen Verfall. Das Gebäude hat heute eher den Charme einer gruseligen Unterführung und wirkt nicht wie der repräsentative Hauptbahnhof, den Offenbach eigentlich verdient hätte.
Deshalb ist es richtig, dass mit dem heutigen Beschluss die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn weiter konkretisiert wird. Denn am Hauptbahnhof geht es nicht nur um die Frage, welchen ersten Eindruck Menschen von Offenbach gewinnen. Es geht auch um die Verweilqualität des Bahnhofsumfelds und die ausstrahlende Wirkung ins Quartier hinein.
Ein attraktiver Bahnhofsvorplatz, bessere Aufenthaltsqualität, neue Verbindungen zum Quartier und eine Neugestaltung der heute übergroßen Busbahnhofsflächen können dazu beitragen, dass hier ein lebendiger, angenehmer Ort entsteht, von dem das Quartier und ganz Offenbach profitieren kann.
Wir freuen uns sehr, dass das alles nun gemeinsam mit der Bahn angegangen wird. Gleichzeitig zeigt die Vorlage aber auch, dass bis zur vollständigen Sanierung des Gebäudes noch ein sehr langer Weg vor uns liegt. Und genau deshalb haben wir unseren Ergänzungsantrag eingebracht.
Wir möchten, dass der Magistrat in den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn darauf hinwirkt, bereits vor Abschluss der Gesamtsanierung geeignete Flächen für Zwischennutzungen bereitzustellen. Ich glaube nämlich, wir können es uns nicht leisten erst auf den Abschluss aller Bauarbeiten zu warten, bevor dort wieder Leben einzieht.
Bedarf für solche Nutzungen gibt es genug. Das haben die vergangenen Jahre immer wieder gezeigt. Vereine, Initiativen, Kulturschaffende und soziale Projekte suchen Räume und bringen Ideen mit. Eine frühzeitige Nutzung würde nicht nur diesen Akteuren helfen. Sie würde auch dem Gebäude selbst helfen. Wo Menschen ein- und ausgehen, wo Veranstaltungen stattfinden, wo Öffentlichkeit entsteht, dort wird hingeschaut. Dort gibt es mehr Identifikation mit dem Ort und weniger Gefahr von Leerstandsschäden und Verwahrlosung. Ein Gebäude wird nicht dadurch erhalten, dass es leer steht. Es wird dadurch erhalten, dass es genutzt wird.
Der zweite Punkt unseres Ergänzungsantrags betrifft die Sanierung selbst. Wir möchten, dass, da, wo dies möglich ist, auf eine abschnittsweise Sanierung hingewirkt wird. Wenn einzelne Gebäudeteile früher fertiggestellt werden können, sollten sie auch früher genutzt werden können. So würde die Wiederbelebung des Hauptbahnhofs Schritt für Schritt stattfinden und nicht erst am Ende eines sehr langwierigen Prozesses. Unser Ergänzungsantrag verfolgt deshalb genau das gleiche Ziel wie die Vorlage selbst.
Denn eines hat der Offenbacher Hauptbahnhof nach all den Jahren des Leerstands wirklich nicht verdient: weitere Jahre des Wartens. Wir finden: Je früher Leben in dieses Gebäude zurückkehrt, desto besser. Vielen Dank.