Grüne fordern sichere Schulwege in Offenbach durch die Einführung von Schulstraßen
„Jedes Kind in Offenbach muss sicher zur Schule kommen können – ohne Angst, ohne gefährliche Ausweichmanöver zwischen parkenden Autos und ohne das tägliche Verkehrschaos vor dem Schultor. Schulstraßen sind ein einfacher, wirksamer und längst erprobter Baustein, um genau das zu erreichen“, erklären gemeinsam die Fraktionsvorsitzende der Grünen Stadtverordnetenfraktion, Dr. Sabrina Engelmann, und der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Jochen Teichmann.
Mit einem Antrag für die kommende Stadtverordnetenversammlung wollen die Grünen die Einrichtung von Schulstraßen an zunächst acht Offenbacher Grundschulen voranbringen. Der Magistrat soll prüfen, ob an der Uhlandschule, Eichendorffschule, Goetheschule, Beethovenschule, Humboldtschule, Anne-Frank-Schule, Mauerfeldschule und der Schule Bieber-Nord Schulstraßen nach den Vorgaben der neuen Handreichung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum eingerichtet werden können. Wo die Voraussetzungen erfüllt sind, sollen diese anschließend zeitnah umgesetzt werden.
„Kinder gehören zu den verletzlichsten Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern überhaupt. Sie können Entfernungen und Geschwindigkeiten oft noch nicht zuverlässig einschätzen, lassen sich leichter ablenken und werden aufgrund ihrer Körpergröße häufig übersehen. Gerade deshalb brauchen sie unseren besonderen Schutz“, betont Teichmann.
Die Zahlen zeigen, wie wichtig sichere Schulwege sind: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verunglückten im Jahr 2024 deutschlandweit 27.260 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr. Besonders häufig betroffen sind Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren während der morgendlichen Schulwegzeiten zwischen 7 und 8 Uhr. Statistisch wird in Deutschland alle 19 Minuten ein Kind im Straßenverkehr verletzt oder getötet.
Ein wesentlicher Risikofaktor sind dabei die sogenannten „Elterntaxis“. Obwohl viele Eltern ihre Kinder aus Sorge um deren Sicherheit mit dem Auto zur Schule bringen, entstehen gerade dadurch vor den Schulen oft gefährliche Situationen. Haltende und rangierende Fahrzeuge, zugeparkte Sichtachsen sowie unübersichtliche Verkehrssituationen erhöhen die Risiken für alle Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind und auch für die, die gerade aus dem Auto steigen.
„Das Paradoxe ist: Viele Eltern wollen ihre Kinder schützen und tragen ungewollt dazu bei, dass es vor den Schulen gefährlicher wird. Wer morgens schon einmal das Verkehrschaos vor manchen Schulen erlebt hat, weiß, wie angespannt die Situation sein kann. Schulstraßen durchbrechen genau diesen Kreislauf“, erklärt Teichmann und fährt fort: “Zusätzlich fördern wir damit eine bewegungsaktive Mobilität: Kinder sollen wieder sicher zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren können, ohne dass sie in einen Kampf gegen Blechlawinen treten müssen.“
Als Schulstraßen werden Straßenabschnitte im unmittelbaren Umfeld von Schulen bezeichnet, die zu den Bring- und Holzeiten zeitweise für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt werden. Dadurch entstehen sichere Räume, in denen Kinder die Schule zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad erreichen können. Zahlreiche Kommunen in Deutschland und Europa setzen bereits erfolgreich auf dieses Instrument der Schulwegsicherung.
„Offenbach muss diese neue Möglichkeit nutzen. Wir müssen nicht jahrelang über Sicherheit diskutieren, wenn wir stattdessen heute konkrete Maßnahmen ergreifen können. Gerade an Grundschulen mit kurzen Schulwegen ermöglichen Schulstraßen Kindern mehr Selbstständigkeit, mehr Bewegungsfreiheit und mehr Sicherheit“, so Engelmann.
Dass das Konzept positive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit hat, wurde in Offenbach bereits gezeigt. An der Schule Bieber-Nord wurde 2024 in der Dietesheimer Straße eine entsprechende Maßnahme zeitweise erfolgreich umgesetzt. Die Grünen sehen darin einen wichtigen Beleg dafür, dass Schulstraßen auch in Offenbach praktikabel und wirksam sein können.
Engelmann und Teichmann hoffen deshalb auf eine breite Zustimmung in der Stadtverordnetenversammlung: „Bei diesem Antrag geht es nicht um Parteipolitik. Es geht um die Sicherheit unserer Kinder. Die neue Handreichung des Landes liegt vor, die Erfahrungen sind positiv und der Handlungsbedarf ist offensichtlich. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Schulstraßen in Offenbach auf den Weg zu bringen.“