Rede von Dr. Sabrina Engelmann in der Stadtverordnetenversammlung
Wir entscheiden heute über eine Kostenanpassung. Und ja: Inhaltlich geht es in diesem Beschluss tatsächlich nur um die Kosten. Aber erlauben sie mir den Anlass zu nutzen, um noch einmal über die Bedeutung der Maßnahme zu sprechen, die hinter diesen Zahlen steht. Denn die Renaturierung des Hainbachs ist alles andere als einfach nur ein Kostenfaktor im Haushalt. Es ist ein konkretes Beispiel für Klimaanpassung und Umweltschutz, die zudem Hand in Hand gehen.
Warum braucht es überhaupt eine Kostenanpassung? Weil wir es hier mit einem komplexen Gewässerprojekt zu tun haben: Verrohrte Abschnitte müssen geöffnet, Betonverbauungen zurückgebaut, Uferbereiche neu modelliert und Retentionsflächen geschaffen werden. Solche Eingriffe sind technisch anspruchsvoll, sie erfordern eine detaillierte Genehmigungsplanung, ökologische Begutachtung und oft auch Anpassungen an bestehende Leitungen oder Grundstücksgrenzen. Das führt zu Mehrkosten – aber es sind Mehrkosten, die in eine Maßnahme fließen, die langfristig Schäden verhindert und so letztlich sogar Folgekosten reduziert.
Und genau deshalb lohnt es sich, über den eigentlichen Kern des Projekts zu sprechen: Die Renaturierung des Hainbachs ist eine Maßnahme des Umweltschutzes und der Klimaanpassung. Sie verbessert die ökologische Qualität des Gewässers, sie schafft Lebensräume, sie erhöht die Biodiversität und stellt die natürliche Dynamik des Bachs wieder her.
Umweltschutz bedeutet hier weit mehr als „ein bisschen Grün“:
- Gewässerökologie: Durch den Rückbau technischer Verbauungen entstehen wieder strukturreiche Lebensräume für Fische, Insekten, Amphibien und Pflanzen. Das ist aktiver Artenschutz.
- Bodenökologie: Wo heute Beton ist, kann künftig Boden wieder Wasser aufnehmen, Nährstoffe binden und Lebensraum bieten.
- Biotopverbund: Ein renaturierter Bach ist eine ökologische Achse, die Lebensräume verbindet und Artenwanderung ermöglicht.
- Wasserqualität: Naturnahe Gewässer reinigen sich selbst besser. So weist auch das Umweltbundesamt darauf hin, dass renaturierte Bäche Schadstoffe abbauen und die Gewässergüte verbessern.
Gleichzeitig erfüllt die Renaturierung des Hainbachs zentrale Funktionen der Schwammstadt: Durch die Öffnung verrohrter Bereiche, die Reduktion von Betonflächen Rückbau und die Wiederanbindung der Aue entstehen Flächen, die Wasser aufnehmen, speichern und verzögert abgeben können. Solche naturbasierten Lösungen sind der Schlüssel für den Umgang mit Starkregen und Hitze. Auch BUND und NABU betonen, dass Renaturierung und Entsiegelung von Gewässern zu den wirksamsten Maßnahmen gehören, um Städte widerstandsfähiger zu machen gegenüber den negativen Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels.
Der renaturierte Hainbach wird so zu einem natürlichen Pufferraum. Er entlastet die Kanalisation, reduziert Überflutungsrisiken, kühlt die Umgebung durch Verdunstung und verbessert das Mikroklima.
Zu guter Letzt möchte ich daran erinnern, dass genau solche Projekte Teil des Regierungsprogramms waren, als wir Grüne Verantwortung getragen haben. Im aktuellen Koalitionsvertrag findet man zu Umweltschutz leider kaum etwas und auch das Thema Schwammstadt bleibt bisher ziemlich vage. Wir können nur hoffen, dass solche wichtigen Maßnahmen auch ohne uns weitergeführt werden. Und falls nicht: Dann werden wir aus der Opposition heraus weiter dafür eintreten, dass Offenbach bei Umweltschutz und Schwammstadt nicht stehen bleibt.