Offen queer in Offenbach – Queere Jugendarbeit verstetigen

Rede unserer grünen Frkationsvorsitzenden Dr. Sabrina Engelmann in der Stadtverordnetenversammlung am 24.09.2026

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, liebe Kolleg*innen,

bevor ich zu meiner Rede zu den verschiedenen vorliegenden Anträgen komme, möchte ich zunächst dem CSD Offenbach herzlich danken. Am letzten Samstag hat der Verein den ersten CSD in Offenbach organisiert und was für ein Auftakt das war. Es war mir ein Fest, dabei zu sein. Mein Dank gilt deshalb allen Beteiligten, die mit viel ehrenamtlichem Engagement diesen großartigen ersten CSD möglich gemacht haben.

Aber nun zu den Anträgen.

Ich finde es ein wichtiges und gutes Zeichen, dass sich heute alle Fraktionen dieses Hauses gemeinsam zu queerem Leben in Offenbach bekennen. Gerade weil Hass, Anfeindungen und Diskriminierung gegen queere Menschen leider wieder heftiger und häufiger werden. Jetzt ist unser aller Solidarität gefragt. Deshalb begrüßen wir diesen gemeinsamen Antrag ausdrücklich.

Bei all dem möchten wir aber eine Frage in den Mittelpunkt stellen: Was brauchen queere Jugendliche in Offenbach?

Sie brauchen Menschen, an die sie sich wenden können. Menschen, die zuhören, beraten und unterstützen. Gerade junge Menschen, die Ablehnung, Ausgrenzung oder Diskriminierung erleben, brauchen verlässliche Ansprechpartner*innen und ein Angebot vor Ort. Mit „Queer in Offenbach“ gibt es ein solches Angebot bereits. Es wird genutzt, es wird gebraucht und es hat sich bewährt. Wir reden hier übrigens nicht über eines von vielen Angeboten. Neben den Veranstaltungen des Queer Cafés in der KJK ist die queere Jugendarbeit das einzige spezifische Unterstützungsangebot für queere Jugendliche in einer Stadt mit rund 145.000 Einwohner*innen.

Genau deshalb haben wir unseren ursprünglichen Antrag eingebracht. Unser Ziel war es, dieses Angebot dauerhaft zu sichern und ihm eine verlässliche Perspektive zu geben.

Der gemeinsame Änderungsantrag enthält nun ein wichtiges politisches Bekenntnis. Was aus unserer Sicht jedoch fehlt, ist eine konkrete Absicherung des bestehenden Angebots. Es macht einen Unterschied, ob man sich allgemein zu einem Angebot bekennt oder ob man das bestehende und bewährte Angebot tatsächlich absichert. Genau diese Klarstellung wollen wir mit unserem Ergänzungsantrag erreichen.

Wir wollen verhindern, dass die Zukunft der queeren Jugendarbeit nach 2027 erneut unklar ist. Darüber hinaus halten wir mittelfristig mindestens eine halbe Stelle für notwendig. Die derzeitigen 12 oder 13 Wochenstunden werden dem Bedarf auf Dauer nicht gerecht. Sie waren nach Auslaufen der Fördermittel nur eine Notlösung, die unsere ehemalige Bürgermeisterin Sabine Groß ermöglicht hat. Eine halbe Stelle ist aus unserer Sicht die notwendige Mindestgrundlage dafür, um queeren Jugendlichen auch künftig angemessene Beratungs- und Unterstützungsangebote machen zu können.

Was bedeutet es eigentlich konkret, dieses Angebot zu erhalten? Es bedeutet, dass ein junges Transmädchen Unterstützung bekommt, wenn sie zum ersten Mal mit anderen über ihre Identität sprechen möchte. Es bedeutet, dass ein schwuler Jugendlicher, der in der Schule gemobbt wird, Unterstützung und Rückhalt erhält, um selbstbewusst seinen Weg gehen zu können. Und es bedeutet, dass queere Jugendliche einen Ort haben, an dem sie sich sicher fühlen können, ernst genommen werden und and dem sie nicht erklären oder rechtfertigen müssen, wer sie sind.

Unser ursprünglicher Antrag ging dabei noch einen Schritt weiter. Denn queere Jugendarbeit sollte nicht erst dann beginnen, wenn Jugendliche bereits Diskriminierung oder Ausgrenzung erlebt haben. Sie sollte auch dazu beitragen, dass solche Situationen gar nicht erst entstehen. Deshalb haben wir zusätzlich Präventions-, Bildungs- und Aufklärungsarbeit an Schulen vorgeschlagen. Gerade in Zeiten zunehmender queerfeindlicher Anfeindungen bleibt das aus unserer Sicht ein wichtiger Ansatz.

Zusammengefasst geht es uns also um drei Dinge für die queere Jugendarbeit: Erstens die dauerhafte Sicherung des bestehenden Angebots. Zweitens dessen personelle Stärkung. Und drittens langfristig den Ausbau der Präventions- und Bildungsarbeit. … Und nichts davon wird mit dem fraktionsübergreifenden Antrag beschlossen.

Ich muss ehrlich sagen, es macht mich ganz schön traurig, dass wir uns heute auf das schöne gemeinsame Zeichen für queeres Leben in Offenbach einigen konnten, nicht aber auf die konkrete personelle Absicherung, die dieses Bekenntnis auch dauerhaft mit Leben füllen würde.

Natürlich wissen wir, dass jede Stelle Geld kostet. Aber wir wissen aus vielen anderen Entscheidungen hier in Stadtverordnetenversammlung auch, dass Geld gefunden wird, wenn etwas politisch gewollt ist. Wir haben unseren Antrag geschoben, um der Koalition Zeit für die Suche nach einer Finanzierung zu geben. Wir waren bereit, auch kleinere Lösungen als im Ursprungsantrag mitzugehen. Von einer ganzen Stelle über eine halbe Stelle bis hin zur zunächst bloßen Absicherung des heutigen Umfangs. Doch selbst für diese Mindestlösung hat es am Ende nicht gereicht.

Am vergangenen Samstag war es schön zu sehen, wie Felix, wie unser Oberbürgermeister, als Schirmherr des ersten CSD klare und ermutigende Worte an die queere Community gerichtet hat. Er hat dabei auch die Bedeutung der vorhandenen Unterstützungsangebote hervorgehoben. Umso mehr hätte ich mir gewünscht, dass die Koalition diesen Worten heute auch konkrete Taten folgen lässt.

Nochmal: Wir sprechen hier nicht über ein Großprojekt oder Millionenbeträge. Wir sprechen über die Frage, ob wir queeren jungen Menschen, die Unterstützung brauchen, auch für die Zukunft das Versprechen geben, dass ihnen eine verlässliche Ansprechperson zur Seite steht. Dass wir dafür heute keine gemeinsame Lösung finden, ist ganz schön bitter.

Vielen Dank.

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