Rede von Tobias Dondelinger in der Stadtverordnetenversammlung
Weil es in den Ausschüssen immer mal wieder Fragen dazu gab, vorab ein paar Worte zu Naturerfahrungsräumen: Toben, balancieren, rennen, sammeln, beobachten, Früchte naschen und Höhlen bauen – natürlicher Freiraum für kindgerechte Aktivitäten zum Spielen, Lernen und Natur erfahren ist in unserem städtischen Umfeld begrenzt. Wir beklagen uns zwar häufig darüber, dass motorische Fähigkeiten vieler Kinder zu wünschen übrig lassen, dass Kenntnis und Erfahrung mit unserer natürlichen Umgebung oft gering ausgeprägt sind und dass viele sich kaum aus dem Haus bewegen. Viele von uns erinnern sich dabei an die eigene Kindheit zurück, wo das alles wirklich anders war.
Woran wir uns aber weniger erinnern: Die Orte und Räume, die für uns Freiheit, Erproben und Erfahren ermöglicht haben, die sind heute sehr oft nicht mehr da. Bebaut, genutzt, nicht mehr frei und wild. Wenn wir also wollen, dass unsere Kinder dieses Selbstbewusstsein entwickeln, selbst Dinge machen und probieren zu können, ohne Anleitung und ohne Erklärung, dann müssen wir ihnen diese Räume bieten.
Naturerfahrungsräume sind ein definiertes, aber relativ flexibles Konzept, um solche Räume in unserem städtischen Umfeld bereitzustellen. Wer sich für das Konzept näher interessiert, kann sich zum Beispiel den Leitfaden „Naturerfahrungsräume in Großstädten“ mal anschauen, den das Bundesamt für Naturschutz publiziert hat und den man auf der Seite des Amts runterladen kann.
Wir als Grüne Fraktion haben uns, so wie einige andere Fraktionen auch, von einem Aktivisten auf diesem Feld, der dankenswerterweise in Offenbach die Idee vorantreibt, die Praxis eines Naturerfahrungsraums zeigen lassen und fanden das eine gute Idee. Entsprechend sind wir auch begeistert, dass die Koalition das Thema ebenfalls verfolgen will.
Unser Antrag soll eine kleine Starthilfe auf diesem Weg sein. Wir kennen das noch aus der Regierungspraxis und jetzt auch aus der Oppositionspraxis. Das Geld ist knapp und man kann nicht alles machen, was man machen will. Deshalb freuen wir uns, wenn es Möglichkeiten gibt, solche guten Ideen mit wenig Eigenmitteln voranzubringen. Im eben erwähnten Leitfaden wird auch berichtet, dass für den Betrieb von Naturerfahrungsräumen eine Art „Kümmerer“ sehr hifreich ist. Gut, dass die Fördergelder auch für Personal aufgewendet werden können! So schaffen wir es, das Projekt umzusetzen.
Weil jedoch unsere Bundesregierung, die vor allem beim Umweltschutz und sozialen Themen Spardisziplin ganz groß schreibt, auch an diesem Fördertitel sparen will, ist es angeraten, schnell, also noch dieses Jahr, eine Förderung zu beantragen.
Denn am Ende haben wir mindestens eine Fläche, wir haben einen geteilten politischen Willen, das Thema voranzubringen und dann kommt auch noch das Geld! Wann, wenn nicht jetzt! Wir freuen uns über die Zustimmung der Regierungsparteien und freuen uns noch mehr, wenn wir dann bald einen Naturerfahrungsraum mehr in Offenbach haben werden.