Für besseren Nahverkehr in Offenbach braucht es Neu- und Ausbau bei der Bahn – Bundesregierung stoppt unverzichtbare Bahnprojekte

Hauptbahnhof Offenbach

Die Entscheidung der schwarz-roten Bundesregierung, keine Mittel für den weiteren Aus- und Neubau der Bahn rund um Frankfurt bereitzustellen, wird schwerwiegende Folgen für Offenbach haben. Wie aus der Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion zu den Ergebnissen der sogenannten „Fulda-Runde“ hervorgeht, fehlen die Mittel für die Weiterplanung des Fernbahntunnels Frankfurt und für die bessere Anbindung des Frankfurter Hauptbahnhofs in Richtung Süden. Ohne die Umsetzung dieser seit langem geplanten Projekte droht dem Rhein-Main-Gebiet ein jahrzehntelanger Stillstand im Schienenausbau – mit gravierenden Auswirkungen auf den Nah- und Regionalverkehr in Offenbach.

„Dass die schwarz-rote Bundesregierung trotz der 500 Milliarden Euro im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität angeblich kein Geld für diese wichtigen Aus- und Neubaumaßnahmen hat ist eine Bankrotterklärung der Verkehrspolitik von CDU, CSU und SPD. Wir Grüne waren für das Sondervermögen unter der Bedingung, dass die Mittel in zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur fließen. Stattdessen folgt jetzt ein schwarz-roter Haushaltstrick dem nächsten. Im Ergebnis gibt es Milliarden für Mütterrente mit der Gießkanne, billigen Agrardiesel, wirkungslose Tankrabatte oder gesenkte Gastrosteuer und gleichzeitig muss die Bahn die Planungen für Neu- und Ausbau stoppen, weil angeblich kein Geld da ist. Das hat konkrete Auswirkungen vor Ort: Offenbach würde damit weiter vom Schienenverkehr abgehängt. Erst zum letzten Fahrplanwechsel entfiel der Halt der „Odenwaldbahn“ am Offenbacher Hauptbahnhof, weil es nicht genügend Kapazität auf der Schiene gibt.“, warnt Tarek Al-Wazir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag und dessen Mitglied für Bündnis 90/Die Grünen aus Offenbach.

Aktuell teilen sich Fern- und Regionalverkehr die Gleise im Offenbacher Stadtgebiet, wobei der Fernverkehr Vorrang hat. Dies führt bereits jetzt zu massiven Einschränkungen im Regionalverkehr, da dieser nur in den wenigen Zeitfenstern fahren kann, die nicht von Fernzügen belegt sind. Prognosen des Bundesverkehrsministeriums gehen von einem weiteren starken Anstieg des Fernverkehrs aus, was die Situation für den Nahverkehr weiter verschärfen wird. Ohne den Fernbahntunnel gibt es langfristig keine Möglichkeit, die Kapazitäten zu erhöhen – im Gegenteil: Es drohen weitere Kürzungen im Nahverkehrsangebot, wie bereits beim letzten Fahrplanwechsel bei der Odenwaldbahn geschehen.

„Sehenden Auges lässt Schwarz-Rot in Berlin Offenbach in den Nahverkehr-Kollaps schlittern. Der Fernbahntunnel wäre die einzige Chance, auf Teilstrecken eine stärkere Trennung zwischen Fern- und Nahverkehr zu schaffen und so die Zuverlässigkeit für Pendlerinnen und Pendler zu verbessern. Notwendige Investitionen bleiben aus, die essenziell sind, selbst wenn man nur das jetzige Angebot in der Zukunft halten möchte“, unterstreicht der Stadtverordnete und verkehrspolitische Sprecher der Offenbacher Grünen-Fraktion Jochen Teichmann.

Zudem würde der Fernbahntunnel zwei neue Hessen-Express-Linien ermöglichen, die am Offenbacher Hauptbahnhof halten und so das Nahverkehrsangebot deutlich ausweiten. Ohne den Ausbau der Infrastruktur gibt es jedoch keine Möglichkeit, neue Verbindungen anzubieten. Besonders kritisch: Nach der Inbetriebnahme der Nordmainischen S-Bahn und der Wallauer Spange wird das südmainische S-Bahnangebot in Richtung Wiesbaden (S8, S9) weiter reduziert. Der Ausbau des Knotens Frankfurt ist auch Voraussetzung für die Realisierung der Regionaltangente Süd, die Offenbach besser an das Umland anbinden und den Offenbacher Hauptbahnhof endlich wieder aufwerten würde. Ohne den Fernbahntunnel hat dieses Projekt keine realistische Chance.

„Was jetzt geschieht ist das genaue Gegenteil von vorausschauender Schienenverkehrsentwicklung im Rhein-Main-Gebiet“ betonen Al-Wazir und Teichmann. „Daher muss auch aus Offenbach heraus der Appell an die Politiker der Union und SPD im Deutschen Bundestag gehen, den Haushalt 2027 in den Dienst der Infrastruktur zu stellen. Neben den Generalsanierungen, müssen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur sowie dem Kernhaushalt für Verkehr auch ausreichend Mittel für den Neu- und Ausbau der Schiene bereitgestellt werden“, schließen die beiden verkehrspolitischen Experten der Offenbacher Grünen.

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